Die Geschichte von Bauwerk Colour
eine Gründergeschichte
... waren da zwei Menschen an entgegengesetzten Enden der Welt. Eines hatten sie gemeinsam: die ISOLATION. Die eine lebte auf einer abgelegenen Farm in Australien, wo zwischen ihr und den nächsten Nachbarn viele Kilometer Farmland lagen. Der andere lebte im kommunistischen Teil Deutschlands, mit all den Einschränkungen, die ihn daran hinderten, die Welt zu sehen oder selbst über sein Leben zu bestimmen.
Aber Isolation hat auch ihre eigentümlichen Nebenwirkungen: Die unmittelbare Umgebung nimmt man umso intensiver wahr. Die Landschaft des ländlichen Australiens, ihre Farben und Formen, prägten sich tief ein. Die überwucherten Weinberge und verlassenen Gebäude in Dresden, die sinnliche Landschaft und der von Hand behauene Sandstein verfallender historischer Bauten hinterließen eine lebenslange Liebe zu Texturen und harmonischen Formen.
Jahre später fanden die beiden zusammen. Andreas hatte Ostdeutschland verlassen und war nach Australien ausgewandert, um ein neues Leben zu beginnen. Bronwyn war von der abgelegenen Farm in Victoria zunächst nach Melbourne und später nach Perth in Westaustralien gezogen. Dort begegneten sie sich schließlich und verliebten sich.

Andreas gründete eine Baufirma, die sich auf die Erhaltung und Restaurierung historischer Gebäude spezialisierte.
Bronwyn führte ein eigenes Textilunternehmen, fertigte handbemalte Stoffe und unterrichtete Farbenlehre.
Bauwerk begann nicht als „Farbenmarke“. Es begann auf Baustellen, bei der Restaurierung alter Gebäude, an denen die Zeit jedes Material längst auf die Probe gestellt hatte. Andreas sah es immer wieder: Moderne Anstriche versagten, verschlossen die Oberflächen und blätterten ab. Und darunter war noch immer der Kalk. Unversehrt, still und zuverlässig.
Das war die erste Erkenntnis.
Nach einem Arbeitsunfall musste Bronwyn sich einige Wochen erholen. Sie hatte Zeit, über eine Zukunft nachzudenken, in der Andreas und sie ihre Fähigkeiten in einem gemeinsamen Unternehmen zusammenbringen könnten.
Durch ihre Arbeit mit Textilien und in der Farbenlehre wusste Bronwyn, dass Farbe nie statisch ist. Sie verändert sich mit dem Licht, der Textur und der Tiefe eines Materials.
Andreas stellte zu dieser Zeit bereits eigene Kalkfarben für seine Restaurierungsprojekte bereit. Bei seiner Arbeit hatte er beobachtet, wie widerstandsfähig Kalkfarben unter anderen Farbschichten geblieben waren. Anstriche aus der Zeit vor den 1950er-Jahren hatten überdauert, während neuere Schichten abblätterten und, weil sie nicht diffusionsoffen waren, der Bausubstanz schadeten.
Bronwyn und Andreas fanden in South Fremantle einen Ort für ihre Farbenfirma, nahe am Hafen und nur wenige Schritte vom Indischen Ozean entfernt. Es war eine ehemalige Bäckerei, mit dem alten Backhaus im Hinterhof und einem Verkaufsraum zur Straße hin. Während Andreas und sein Bauteam rund 1.000 Kilometer nördlich von Perth an einem wunderbaren Projekt arbeiteten, begann Bronwyn, den neu gefundenen Laden zu renovieren.
Heute ist die Gegend eine lebendige Einkaufsstraße. Als Bauwerk nach South Fremantle kam, war sie jedoch traurig und verlassen. So entstand die Idee, den Farbenladen mit einem Café zu verbinden. Es sollte Menschen in die Gegend bringen und aus dem Besuch im Café zugleich eine Entdeckung für Kalkfarben machen. Ein junges Team wurde für das Café eingestellt. Bronwyn entwickelte die Speisekarte, Andreas die Abläufe und die technische Seite des Farbengeschäfts.
Innerhalb eines Jahres gewann das Café einen Mietta Award, mit dem Australiens beste Cafés und Restaurants ausgezeichnet wurden. Damit war bewiesen, dass Bronwyn ausgezeichnete Rezepte entwickeln konnte – und das galt ebenso für ihre Kochrezepte wie auch für die Kalkfarben von Bauwerk Colour.

Aber Kalkfarbe erfordert mehr als nur Farbe. Wir begannen mit dem besten verfügbaren Rohstoff, Kalk: Wir hatten eine erstaunliche Ressource zur Hand. Die Tradition eines holzbefeuerten Kalkofens wurde von einer Einwandererfamilie aus Jugoslawien weitergeführt, die den chemisch reinsten und weißesten Sumpfkalk herstellte, den Andreas bereits für die Restaurierungsprojekte verwendete.
Der Sumpfkalk muss reifen, denn wie ein guter Wein wird er immer besser, je länger er lagern darf.
Es wurde viel geforscht, um die Pigmente zu finden, die die erstaunliche Farbpalette schaffen, die Bauwerk heute anbieten kann. Es sollten nur Pulverpigmente hinzugefügt werden, rein und einfach. Wie dauerhaft würden sie unter der intensiven Sonne Westaustraliens sein? Wie beständig bei Hitze und im alkalischen Kalk? Das waren nur einige der Fragen.
Niemand, so schien es, hatte sich die Mühe gemacht, die schlichte Kalktünche zu veredeln, ihre eigenen Stärken hervorzuholen und sie in einen frischen, modernen Zusammenhang zu stellen. Doch sorgfältig hergestellt und mit dem richtigen Pinsel ganz dünn aufgetragen, wurde die Farbe zu mehr als Dekoration. Das Streichen wurde sinnlicher, lebendiger und kreativer. Dazu kommt: Kalkfarbe durchläuft den gesamten "Alchemisten"-Zyklus:

Als Rohstoff, aus Kalkstein oder Muschelschalen, beginnt alles als STEIN. Chemisch gesehen ist es Calciumcarbonat.
Durch FEUER wird es gebrannt. Dabei wird Kohlendioxid freigesetzt; es entsteht Calciumoxid.
Nach dem Abkühlen wird der Branntkalk mit WASSER versetzt. So entsteht Sumpfkalk, chemisch Calciumhydroxid.
Dieser Sumpfkalk ist die Grundlage der Farbe. Er wird gereinigt, gelagert und auf die richtige Konsistenz gebracht. Dann kommen die Pigmente hinzu, und die Farbe macht sich auf den Weg dorthin, wo sie gebraucht wird.
Wenn sie schließlich auf die Wand gestrichen wird, nimmt sie CO₂ aus der LUFT auf und wird nach und nach wieder zu Calciumcarbonat.
Diese Rückkehr zum Stein ist nicht bloß ein Bild – sie ist Chemie. Und für uns ist sie zugleich noch etwas mehr.
Dünn und von Hand aufgetragen, schafft Kalkfarbe eine Lebendigkeit, die sich maschinell nicht einfach wiederholen lässt. Jede Wand trägt kleine Unterschiede. Genau darin liegt ihr Charakter.
Und da ist er, der ganze Kreis: STEIN – FEUER – WASSER – LUFT. Rein, vollkommen, scheinbar einfach. Natürlich. Anders gesagt: Bauwerk Colour!
Ein gutes Produkt braucht einen guten Ausgangspunkt. Die ISOLATION Westaustraliens gab Bronwyn und Andreas Raum zum Erfinden, Experimentieren und Verfeinern. Aber Westaustralien ist riesig – ungefähr ein Drittel so groß wie Europa – und mögliche Kunden lebten weit verstreut. Die meisten wohnten rund um Perth. Bis zur nächsten größeren australischen Stadt, Adelaide, war es eine lange Reise.
Für Bronwyn und Andreas wurde es notwendig, größere Märkte zu erreichen. Melbourne war innerhalb Australiens ein guter Markt, aber fünf Flugstunden entfernt. Für ein kleines Unternehmen war es kostspielig, sich in weiteren Städten niederzulassen.
Wenn man ohnehin fliegen muss, welche anderen Märkte kommen dann infrage?, fragten sie sich. Über die Website kamen bereits Anfragen aus dem Nahen Osten. Also beschlossen sie, auf der Baumesse BIG5 in Dubai auszustellen.
Andreas und Bronwyn standen selbst am Messestand. Mit nur 1,5 Metern Breite ließ sich dort nicht viel zeigen. Aber auf einem Bildschirm folgte ein eindrucksvolles Bild aus den bereits fertiggestellten Projekten in Australien auf das nächste. Das genügte: Ein erstes Projekt in Saudi-Arabien kam zustande, dann einige weitere. Manche der Häuser hatten ganz andere Dimensionen – für einige brauchte es zwei Container Farbe. Das Potenzial war nicht zu übersehen.

Vorsicht mit den eigenen Wünschen. Über die Grenzen des Heimatmarktes hinauszuwachsen bringt viele Herausforderungen mit sich. Getrennt voneinander zu leben ist eine davon.
Andreas und Bronwyn gründeten ihre Farbenfirma in dem Jahr, in dem beide 40 wurden. Sie nahmen sich vor, ihr die nächsten 20 Jahre zu widmen und gemeinsam zu sehen, wie weit sie kommen würden. Ihre Söhne Levi und Thomas waren dabei, die Schule zu beenden. Es war die richtige Zeit für etwas Neues.
Andreas betreute Verkäufe im Nahen Osten und merkte, dass die Putze auf den Häusern nicht ideal für ihre Farbe waren. Er sammelte Materialproben und suchte nach besseren Rohstoffen. Ein Kunde in Saudi-Arabien ließ sich davon überzeugen, seinen Bau mit der vorgeschlagenen Putzmischung fertigstellen zu lassen: mit Kalk und einer anderen Auswahl von Sand und Zement.
Das Ergebnis war neu, und die Farbe ergab darauf eine so faszinierende Oberfläche, dass ein Geschäftspartner Andreas darauf ansprach, in Riad eine Fabrik für solche Putze zu errichten.
Es dauerte, bis ein geeignetes Industriegrundstück gefunden war. Dann entstand die erste kleine Fabrik. Das Ziel waren maschinell spritzbare Putze – unter der Hitze der saudi-arabischen Wüste ein kühnes Vorhaben. Niemand wusste, ob es technisch überhaupt möglich sein würde.
Maschinen wurden importiert und umgebaut. Es folgte Versuch auf Versuch, bis die Rezeptur stimmte.
Heute ist DMC, die damals gegründete Firma, in Saudi-Arabien für ihr anspruchsvolles Sortiment an Trockenmörteln bekannt. Spritzputz ist inzwischen üblich. Zum Sortiment gehören auch Kalkputze und ein dünner Kalkoberputz, der eigens für Bauwerk-Kalkfarbe entwickelt wurde.
In dieser Zeit begann Levi, der erste Sohn von Bronwyn und Andreas, im Unternehmen mitzuarbeiten – zunächst als Hilfe, später gelegentlich und schließlich in Vollzeit.
Unterdessen gab es weitere Farbprojekte in Katar, Kuwait und Dubai und die ersten Verkäufe in Europa.
Bronwyn und Andreas überlegten, wie sie Menschen erreichen könnten, die zu weit entfernt wohnten, um einen Laden zu besuchen. Das Internet entwickelte sich, Websites wurden leistungsfähiger, und der Verkauf über das Netz wurde immer selbstverständlicher. Bronwyn eröffnete die Social-Media-Kanäle. Dann kam Instagram – und damit eine wunderbare Möglichkeit, Bilder zu teilen.
Während eines Urlaubs in Europa suchte Bronwyn immer intensiver nach einem Ort, an dem die ganze Familie zusammenkommen könnte. Schließlich fanden Bronwyn und Andreas ein verlassenes Herrenhaus tief auf dem Land in Nordsachsen. In der Beschreibung war von einer ehemaligen Wasserburg und einer gewaltigen Platane im Vorgarten die Rede. Sie fuhren hin, um sich den Baum anzusehen. Platanen hatten die beiden schließlich überall dort gepflanzt, wo sie gelebt oder Häuser gebaut hatten.
Als sie auf den Stufen vor dem alten Haus saßen und zu dem majestätischen Baum aufblickten, wussten beide, dass sie etwas Besonderes gefunden hatten. Das Haus stand seit mehr als 20 Jahren leer. Es gab weder Wasser noch Strom, Heizung oder Internet, auch keine funktionierende Abwasseranlage. Das Restaurieren von Häusern war ihnen nicht völlig fremd; Fundament und Tragwerk waren solide. Alles andere würde seine Zeit brauchen.

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In Großbritannien gab es damals bereits einen ersten Zweig von Bauwerk Colour, bald darauf folgte Holland. Durch Veränderungen bei beiden Betreibern wurde klar, dass es Zeit war, einen eigenen Sitz in Deutschland aufzubauen. Bronwyn und Andreas pendelten zu dieser Zeit zwischen Australien, dem Nahen Osten und Europa. Eine Weile macht das Spaß, besonders wenn man immer den warmen Monaten nachreisen und den langen, kalten Wintern entkommen kann.
Aber versucht einmal, Gemüse anzubauen UND es auch zu essen, während man gleichzeitig die Anforderungen verschiedener Finanzämter erfüllt! Da wird das Leben ein wenig komplizierter.
Rückschläge kommen manchmal aus heiterem Himmel. Der erste war ein dramatischer Einbruch der Bautätigkeit in Saudi-Arabien. Unternehmen kämpften ums Überleben. DMC, die Mörtelfirma in Riad, in die Andreas so viel Arbeit gesteckt hatte, war keine Ausnahme. Das Unternehmen geriet in große Schwierigkeiten. Dank seines Qualitätsanspruchs und Aufträgen für den Bau der Metro in Riad überstand es diese Zeit.
Andreas und Bronwyn beschlossen, sich stärker auf Europa zu konzentrieren, und zogen beide in das Herrenhaus in Deutschland. Zum Glück hatten sie inzwischen die Versorgung wiederhergestellt und arbeiteten an einer modernen Heizungsanlage.
Nun mussten die Abläufe und die Verpackungen verbessert, weitere Menschen eingestellt, angrenzende Grundstücke gekauft und die Website für Lieferungen in europäische Länder und nach Nordamerika weiterentwickelt werden. Mit dem Brexit kam die nächste Herausforderung. Großbritannien war Bauwerks stärkster Markt in Europa und ist es bis heute. Mit Beharrlichkeit fanden wir eine Lösung, mit der unsere Kunden dort ihre Bestellungen weiterhin einfach erhalten können.
Und dann begann Covid. Niemand wusste, wie man durch eine Pandemie steuert. Aber Menschen, die zu Hause festsaßen, hatten irgendwann genug davon, nichts tun zu können – außer renovieren! Dass BAUWERK schon auf den Onlineverkauf gesetzt hatte, wurde zu einem verdammt großen Vorteil. Das Wachstum ging durch die Decke! Wir stellten mehr Menschen ein, zogen in neu erworbene Gebäude ein, die noch gründlich saniert werden mussten, und schickten Waren zwischen Australien und Deutschland hin und her, um Engpässe bei einigen Rohstoffen auszugleichen.
Mit der Zeit gehen und den Kunden zuhören – ohne die Grundsätze der Nachhaltigkeit aus den Augen zu verlieren.
Erstaunlicherweise arbeiten inzwischen beide Söhne von Bronwyn und Andreas fest im Unternehmen. Levi leitet das Geschäft in Australien. Thomas lebt jetzt in Deutschland und führt hier einen Teil des Teams. Und damit sind wir alle zusammen ...
2023 ging unsere dringend benötigte neue Website online. In Gestaltung und Funktion steckte sehr viel Arbeit. Ein großartiges Team aus Melbourne machte sich daran, unsere Ideen zum Leben zu erwecken und, so hofften wir, das fortschrittlichste Online-Einkaufserlebnis für Kalkfarben zu schaffen. Es ist wirklich eine verrückte Aufgabe. Millionen Datenpunkte müssen stimmen, damit alles funktioniert. Steuerregeln für Dutzende Länder und Regionen sind zu berücksichtigen, alles muss mit den Versandunternehmen zusammenspielen, und zu guter Letzt (!) muss jede Transaktion nach den strengen deutschen Buchführungsregeln korrekt erfasst werden. Pfffft!!!
Bei mehreren Tausend Bestellungen im Monat stellten Bronwyn und Andreas eine Regel in den Mittelpunkt: Starkes Wachstum muss nachhaltig sein. Dazu gehört ein gutes Team, das Bestellungen ohne unnötigen Stress bearbeiten und versenden kann, ohne beim Kundenservice Abstriche zu machen. Dazu gehört auch finanzielle Vorsicht. Bauwerk hat nie Schulden aufgenommen; beide Gründer glauben an Wachstum aus den Mitteln, die das Unternehmen selbst erwirtschaftet.
Wer mit wirklichen Produkten wächst, braucht auch wirklichen Platz. Vor einigen Jahren konnten Andreas und Bronwyn zwei große Scheunen neben dem alten Herrenhaus kaufen. Sie hatten einst zum Gut gehört. Die Gebäude entstanden in aufeinanderfolgenden Jahren ab 1735 und hatten seitdem nur wenig Pflege oder Erneuerung erfahren.
Andreas' Erfahrung mit historischen Gebäuden half uns, ihre Umnutzung zu planen: Aus Pferde- und Schafställen wurden Räume, in denen wir Farbe herstellen und verarbeiten. Die alten Balken, Steinwände und die erstaunliche Dachkonstruktion blieben erhalten. Die Scheunen sind wieder voller Leben und haben – erstaunlicherweise – auch wieder kalkgestrichene Wände. An neuen Erweiterungen für die nächste Etappe wird bereits gearbeitet. Vernachlässigte historische Gebäude wieder zu nutzen ist für uns Teil der Nachhaltigkeit. Und die Arbeitsplätze bleiben innerhalb des Dorfes.
Unser Dorf hat übrigens gerade einmal 115 Einwohner. Aber gemeinsam bewegen wir mehr, als man einem so kleinen Ort zutrauen würde. Wir haben bei „Unser Dorf hat Zukunft“ auf Kreisebene mitgemacht – und gewonnen! Dabei ging es nicht einfach darum, wie hübsch das Dorf ist. Entscheidend war, was unsere Gemeinschaft für Kinder, Familien und ältere Menschen tut und welche Rolle die Betriebe im Dorfleben spielen. Später erhielt das Dorf im Landeswettbewerb einen Sonderpreis für sein Engagement und die Umweltbildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Auch für uns war das ein Grund zu feiern: Wir wurden hier herzlich aufgenommen und sind inzwischen ganz Teil dieser kleinen Gemeinschaft. Wenn Menschen in einer solchen ländlichen Gegend leben und arbeiten können, wird Nachhaltigkeit jeden Tag gelebt.
Aber warum dabei aufhören? Wir möchten unabhängiger in unserer Energieversorgung werden und arbeiten an einer Solaranlage mit rund 32 kWp Leistung. Weil dies ein historisches Gut ist, spielt auch ihr Aussehen eine Rolle. Statt die Module auf die alten Dächer zu setzen, soll die Anlage eine eigene nützliche Form bekommen, mit Abstand zu den historischen Gebäuden.
Wir haben weitere Bäume gepflanzt und Obstbäume ersetzt, die die trockenen Sommer in unserer alten Streuobstwiese nicht überstanden haben. Auch eine weitere Platane ist dazugekommen. Eines Tages wird sie den Hof vor den Scheunen beschatten.
Tom hat sich vorgenommen, Nistkästen für Eulen anzubringen, und sorgfältig geeignete Stellen in alten Bäumen ausgesucht. Er hat darüber einen eigenen Artikel geschrieben, den wir bald veröffentlichen.
Und Ideen gibt es noch reichlich. Andreas arbeitet an Plänen, Wasser in den weitläufigen Kellern unter dem Herrenhaus als Teil eines Wärmespeichers zu nutzen. Zusammen mit einer Wasser-Wasser-Wärmepumpe könnte überschüssiger Solarstrom helfen, Wärme für kältere Tage bereitzuhalten. So wollen wir weniger Erdgas verbrauchen und es nur noch als Reserve für ungewöhnlich lange Kälteperioden brauchen.
Wir denken bei unseren Farben an Rezepte, nicht an Formeln.
Wir entwickeln sie mit Sorgfalt, prüfen sie gründlich und geben sie dann in die Welt, im Wissen, dass sie sich auf der Wand weiter verändern. Die Wand, das Licht, die Hand der Person, die die Farbe aufträgt – all das wird Teil des Ergebnisses. Vollkommene Kontrolle ist nicht das Ziel. Harmonie schon.
Deshalb stand Bauwerk immer ein wenig außerhalb der üblichen Farbenindustrie.
Uns geht es nicht um Gleichförmigkeit. Uns interessieren Beständigkeit, das Gefühl eines Materials und die Atmosphäre, die es schafft. Oberflächen, die an einen Ort zu gehören scheinen, statt ihm aufgesetzt zu sein.
Die Abgeschiedenheit gab uns den Raum, diesen Gedanken ohne Kompromisse zu entwickeln. Historische Gebäude lieferten die Erfahrung dafür. Und das Material selbst weist uns bis heute den Weg.
Wenn man in Gebäuden lebt und arbeitet, die lange vor uns da waren, verändert sich auch der Blick auf die eigene Rolle. Wir kümmern uns eine Zeit lang um sie, machen sie wieder nutzbar und geben sie irgendwann weiter. In anderer Weise gilt das auch für Bauwerk. Wir wissen nicht, was die nächste Generation damit anfangen möchte. Wir können versuchen, ihr ein gesundes Unternehmen, gute Menschen an seiner Seite und die Freiheit für eigene Entscheidungen zu hinterlassen.
Alles andere – das Wachstum, die Projekte, die neuen Regionen – ist aus diesem Kern entstanden.
Im Herzen arbeiten wir noch immer mit denselben Elementen.
Stein. Feuer. Wasser. Luft.
Einfach, uralt und erstaunlich schwer zu verbessern.
Wir finden immer neue Wege, mit der weiteren Welt in Verbindung zu bleiben. Unser Team ist gewachsen und mit ihm die Möglichkeiten, was wir gemeinsam tun können. Es wird uns nie langweilig, besondere Projekte und die Menschen dahinter zusammenzubringen. Wir lassen uns davon inspirieren, wie andere ihre Räume mit Kalkfarbe gestalten. Und ja, auch in unserem eigenen Zuhause zerbrechen wir uns manchmal den Kopf über die richtige Farbe. Das erinnert uns daran, wie hilfreich ein guter Rat sein kann, wenn jemand Farben für die eigenen Räume auswählt.
Und dann ist da KI. Sie stellt uns vor ebenso viele Fragen wie alle anderen. Was ist echt? Wessen Arbeit sehen wir? Und was geschieht mit menschlicher Kreativität, wenn eine Maschine in Sekunden ein Bild oder einen Text erzeugen kann? Auf all das haben wir keine einfache Antwort.
Aber wir haben Seiten an ihr entdeckt, die uns helfen. Sie kann uns dabei unterstützen, Ideen zu erkunden, unser Wissen zu ordnen und es leichter zugänglich zu machen. Für unsere Fotografen eröffnet sie eine weitere Möglichkeit, Räume zu entwerfen, die es noch nicht gibt. Wenn ein Bild erfunden ist, sagen wir das. Und für alles, was wir veröffentlichen, bleiben wir verantwortlich. Unsere Farben entstehen weiterhin durch Menschen. Wirkliche Projekte bleiben wichtig. Die Entscheidungen treffen die Menschen, die die Arbeit machen. Wenn uns diese Werkzeuge dafür mehr Zeit und Raum geben, möchten wir sie gut nutzen.
Zeit mit der Familie ist schwer zu übertreffen. Wir fahren auch gern Fahrrad. Von hier aus können wir am Fluss entlangfahren, über die Felder, auf Wegen durch den Wald oder in die umliegenden Städte und Dörfer. Wir spielen mit Freunden Karten oder essen gemeinsam mit ihnen zu Abend.
Andreas nimmt gern noch ab und an selbst einen Pinsel in die Hand. Bei allem Nachdenken über Kalkfarbe bleibt die einfache Freude daran, sie auf eine Wand aufzutragen und zu sehen, was geschieht. Bronwyn verschwindet in ihrem Garten. Dort gibt es immer etwas zu tun – oder einfach zu genießen.
Und wir freuen uns auf eine ganze Reihe neuer Produkte, an denen wir gerade arbeiten. Aber das gehört in...
Vielen Dank, für das Lesen unserer Geschichte.
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